Einflussfaktoren auf Gesundheit

Gesundheit ist sowohl ein individuelles als auch ein gesellschaftliches Gut. Weitgehende Gesundheit ist die Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe. Damit eine Gesellschaft – insbesondere eine alternde wie z.B. die deutsche – leistungsfähig bleibt, und die Lebensqualität ihrer Mitglieder gestaltet werden kann, muss Gesundheitsförderung auf allen Ebenen langfristig erfolgen.

Im Jahr 1946 definierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Gesundheit wie folgt:
"Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen“.
Diese umfassende Definition von Gesundheit brach die monodisziplinären Sichtweisen auf. Dennoch herrscht, was das derzeitige Gesundheitssystem in Deutschland betrifft, die medizinische Sichtweise immer noch vor. So wird Gesundheit als Abwesenheit von Krankheit gesehen und dabei weitgehend eindimensional auf die Wiederherstellung von Gesundheit geachtet. Das Versorgungssystem steht dabei im Mittelpunkt, und Gesundheit wird als medizinische Angelegenheit verwaltet.

Insbesondere für interdisziplinäre Netzwerke, in denen unterschiedliche Professionen mit unterschiedlichen Sichtweisen zusammen kommen, ist die Klärung von Begrifflichkeiten eine wichtige Voraussetzung für die Zusammenarbeit. Nur durch ein gemeinsames Verständnis von Gesundheit, Gesundheitsförderung und Prävention können aufeinander abgestimmte, gemeinsame Maßnahmen auf den Weg gebracht werden.
Die von der Bundesvereinigung für Prävention und Gesundheitsförderung (bvpg) veröffentlichten "Prinzipien guter Prävention und Gesundheitsförderung" bieten hierfür gute Anhaltspunkte. Die darin mit allen Mitgliedsorganisationen erarbeitete Definition von Gesundheit lautet:
"Die verschiedenen Definitionen der Gesundheit wirken aufeinander ein und werden von den sozialen, ökologischen, ökonomischen, psychischen, kulturellen und politischen Lebensbedingungen eines Menschen beeinflusst. Gesundheit ist ein wesentlicher Bestandteil des täglichen Lebens und der Lebensqualität."

Wenn ein gemeinsames Verständnis von Gesundheit geschaffen wurde, ist eine Klärung der Einflussfaktoren auf Gesundheit möglich.
Gesundheit wird wesentlich von Bildung, Arbeitsbedingungen, Umwelteinflüssen und sozialer Sicherheit beeinflusst. Menschen, die am gesellschaftlichen Leben nicht teilhaben können, leiden meist unter schlechteren Gesundheitschancen. Insbesondere Kinder sind hiervon betroffen.

Die Wissenschaftler Dahlgren und Whitehead entwickelten 1991 das sog. Regenbogen-Modell, das die Determinanten für Gesundheit ausgehend vom Individuum darstellt. Dabei haben sie folgende vier Bereiche festgestellt, die Gesundheit im Einzelnen beeinflussen:

  • Allgemeine Bedingungen der sozio-ökonomischen, kulturellen und physischen Umwelt
  • Lebens- und Arbeitsbedingungen
  • Soziale und kommunale Netzwerke
  • Faktoren individueller Lebensweisen

Diese Bereiche verdeutlichen, dass nicht auf allen Ebenen gleichermaßen Einfluss genommen werden kann. Sie zeigen jedoch auch auf, dass nicht das individuelle Verhalten alleine die Gesundheit erhält oder schädigt. Ebenso beeinflussen die Verhältnisse, in denen Menschen leben, ihre Gesundheit: Sowohl die physische Umwelt, als auch die sozialen Beziehungen und die Arbeitsbedingungen sind für die Gesundheit mitentscheidend. Umso deutlicher wird es, dass viele verschiedene Bereiche für die Gesundheitsförderung infrage kommen. Das bedeutet auch, dass eine gesundheitsförderliche Gesamtpolitik alle Bereiche der kommunalen Verwaltung betrifft und einbeziehen sollte.

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Weiterbildung Kommunale Gesundheitsmoderation

Die Weiterbildung Kommunale Gesundheitsmoderation wurde 2013/14 im Rahmen von IN FORM entwickelt und erprobt. Sie richtet sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus kommunalen Verwaltungen, die für die Gesundheitsförderung in ihrer Kommune zuständig sind und eine ressortübergreifende Strategie entwickeln möchten.

 

© Andreas Gärtner

Zum Weiterlesen

Gesundheitsindikatoren
Ausführungen der BZgA über den in Deutschland einheitlichen Indikatorensatz

Präventions- und Gesundheitsförderungsziele der GKV 2013-2018 (PDF)
Beschlossen vom Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbands am 5. September 2012

Prävention und Gesundheitsförderung weiterentwickeln (PDF)
Positionspapier des GKV-Spitzenverbandes, beschlossen vom Verwaltungsrat am 27. Juni 2013

Weblink

Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (bvpg)
Die BVPG setzt sich in der Hauptsache für Strukturerhalt und Strukturverbesserungen bzgl. der 'Gesundheitsförderung und Prävention' insgesamt in Deutschland ein.