Ursachen von Übergewicht: Das egoistische Gehirn
[TAZ, 12.08.2011] Chronischer Stress könnte nicht nur für Depressionen verantwortlich sein, sondern auch für Übergewicht, Diabetes und Herzkrankheiten, besagt eine neue Theorie.
Jeder, der Diäten ausprobiert hat, kennt das Phänomen: Je mehr Nahrung man seinem Körper verweigert, desto mehr Heißhunger verspürt man und desto übellauniger wird man. Der Abnehmerfolg scheitert in 90 Prozent der Fälle. Warum das so ist, erklärt der Wissenschaftler Achim Peters (>Eintrag auf Wikipedia), der an der Universität Lübeck die Forschungsgruppe Selfish Brain leitet, nun ausführlich in seinem Buch "Das egoistische Gehirn" (Ullstein 2011).
Der Entschluss, weniger zu essen, setzt das Gehirn nämlich gehörig unter Druck. Es will auf Gedeih und Verderb seine Energieversorgung wahren. Dafür hat es ein ausgeklügeltes Regelsystem zur Verfügung: Gelangt bei einer Diät weniger Glukose ins Blut, versucht das Gehirn den Nährstoff anderswo aufzutreiben.
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Über ein aktiviertes Stresssystem (Kortisol und Adrenalin) wird er aus den Speichern in Muskeln und Leber herbeizitiert. Wenn das nicht funktioniert, schickt er den darbenden Menschen auf Nahrungssuche, etwa zum Kühlschrank oder in den Supermarkt. Die vermehrte Freisetzung von Kortisol geht derweil mit gedrückter Stimmung einher. Erst wenn die Energiereserven wieder aufgefüllt sind, sinken die Stresshormone im Blut ab, und der Mensch fühlt sich wieder besser.
Dieser Egoismus des Gehirns ist nicht etwa Selbstzweck, sondern verschaffte uns stets evolutionäre Vorteile, meint Peters. In Zeiten der Gefahr und des Mangels - beides gab es in der Menschheitsgeschichte reichlich - musste gewährleistet sein, dass alle Energie in die Schaltzentrale gelangt. Das sicherte dem Homo sapiens in schlechten Zeiten das Überleben und hält ihn in guten Zeiten schlank. (...)
[Der ganze Artikel in der Ausgabe vom 12.08.2011 von Kathrin Burger auf TAZ.de]
[Update: sie auch food-monitor vom 14. Juni 2012]

