Mülheim a. d. Ruhr: Masterplan Spiel- und Bewegungsräume
Nach der Beschlussfassung in den Gremien des Rates der Stadt startet gestern, am Donnerstag dem 29.11.2012, der von der Leonhard-Stinnes-Stiftung geförderte Masterplanprozess mit einer Fachtagung und einer öffentlichen Auftaktveranstaltung in der VHS, die von dem Beigeordneten Peter Vermeulen als Planungs-, und Umweltdezernent eröffnet wurde.
Tagsüber diskutierten rund 50 Fachleute aus Mülheim die Themen Spielen und Bewegen unter wissenschaftlicher Begleitung des Institutes für Stadtplanung und Städtebau der Universität Duisburg/Essen, der plattform ernährung und bewegung e.V. aus Berlin und dem Planungsbüro Stadt-Kinder.
Am Nachmittag beteiligten sich 50 Kinder, Jugendliche, Schul- und Kindergartenvertreter, sowie Spielplatzpaten, Jugendzentrenvertreter und Senioren an der Auftaktveranstaltung und gestalteten mit Ihren Ideen die große Treppe in der Volkshochschule zum Aufstieg der Stadt zu einer bewegungsfreundlichen Stadt für alle Generationen.
Heute nahm der Vorsitzende des Planungsausschusses Dieter Wiechering die Ergebnisse der Veranstaltungen entgegen, bedankte sich bei den Akteuren und gab das Versprechen ab, die Vorschläge und Ideen in die politischen Gremien zu tragen.
Zukunftswerkstatt Bewegungsräume-Bewegungsträume
Der interdisziplinäre Fachtag erfreute sich einer hohen Beteiligung aus den unterschiedlichsten Bereichen. Nicht nur Stadtplanung und Verkehr, sondern auch Vertreter aus den Bereichen Umwelt, Statistik, Geodaten, Grünplanung, Sport, Gesundheit, Bildung, Jugend, Soziales, Familie nahmen an der Veranstaltung teil. In zwei Workshop-Runden wurden anhand von Stadtplänen Ansatzpunkte für eine bewegungsfreundlichere Stadt erarbeitet. Die Pläne wurden von der Universität Duisburg-Essen bearbeitet und mit unterschiedlichen Kriterien, je nach Workshop-Thema, versehen. So wurden Klimadaten, Anteil an Kindern und Bevölkerungsdichte, das Wegenetz, Radwege, Spielplätze, Grünflächen visualisiert. In der ersten Workshop-Runde wurde die gesamte Stadt betrachtet, in der zweiten lag der Fokus auf den Stadtteilen Innenstadt und Speldorf.
Zentrales Ziel: Stadträume für ein gesundes Leben gestalten
Dabei wurden gleichermaßen Kinder, Jugendliche und Ältere als Zielgruppen betrachtet. Der Fokus lag auf der Betrachtung der Zusammenhänge zwischen gebauter Umwelt, sozialen Lagen und Mobilität – insbesondere Fußgänger und Radfahrer - Stadtklima, Gesundheit und Sport und aktive Alltagsbewegung.
Urbane Mobilität: An den Bedürfnissen von Fußgängern und Radfahrern orientieren
Die urbane Mobilität sollte sich an den Bedürfnissen von Fußgängern und Radfahrern vor allem im öffentlichen Raum orientieren. Die Bandbreite an Ideen reichte von baulichen Einzelmaßnahmen wie dem Ausbau von Zebrastreifen (Vorrang für Fußgänger) bis hin zu öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen zur Verhaltensänderung wie „Fahrradfahren muss cool sein“.
„Stadtklima“ und „Bewegungsräume schaffen“ haben dieselben Ziele
Übergreifend wurden die Verbesserung der Orientierung verschiedener Altersgruppen und altersgerechte Stadtpläne für Fußgänger und Radfahrer vorgeschlagen. Als nachteilig wurden die schlechte Zugänglichkeit von Grünflächen sowie die unzusammenhängende Grünflächenstruktur und die ungenutzten öffentlichen Räume aufgedeckt. Kreative Vorschläge zur Entsiegelung öffentlicher Flächen und die temporäre Nutzung von Baulücken und Brachflächen wurden diskutiert.
Stadt muss für Kinder und Jugendliche attraktiver werden
Als problematisch wurde festgehalten, dass die Innenstadt und die nördlichen Stadtteile zu wenige Bewegungs- und Spielflächen im Freien bietet und insgesamt mehr Bewegungsräume im Stadtbild geschaffen werden müssen. Außerdem sollte die Zugänglichkeit zu Wasser und zu Grünflächen verbessert werden. Plätze und Straßenräume (freie Orte) sollen für unterschiedliche Aktivitäten stärker nutzbar gemacht werden.
Alltagsbewegung fördern durch „gehfreundlich“ gestaltete Stadträume
Als besonders wenig einladend für das Zufußgehen und für aktive Bewegung im Allgemeinen wurden das nördliche Bahnhofsumfeld sowie der Kaiserplatz bewertet. Dabei wurden Ideen wie verkürzte Rot-Phasen für Fußgänger, verkürzte Abstände von Querungsmöglichkeiten an großen Straßen, insgesamt bessere Orientierungsmöglichkeiten zu schaffen, verkehrsberuhigende Maßnahmen sowie die Verbesserung der Qualität von Straßenräumen für Fußgänger.
Demografische Veränderungen bringen neue Herausforderungen
Stadtteile, die sich im Umbruch befinden, bieten „Gelegenheitsfenster“ für die Umsetzung von Maßnahmen zur lokalen Klimaanpassung. So haben Schulhofbegrünungen auch einen positiven Einfluss auf das lokale Stadtteilklima. Zur Vermeidung des Hitzeinselpotenzials sollte auch über geeignete Gebäudetypologien nachgedacht werden, die Frischluftströmungen nicht blockieren. Ungenutzte Freiflächen sollten für Zwischennutzungen wie z.B. Urban Gardening freigegeben werden.
Mehrfachnutzung vorhandener Flächen
Insbesondere in der Innenstadt ist es schwierig neue Freiflächen zu schaffen, daher wurden Ideen wie die zeitweise Nutzung von Hauptverkehrsstraßen als Spielräume für Kinder sowie die Einrichtung von Dachgärten wie z.B. HBP5 Parkhaus genannt. Viel Potenzial wurde in Speldorf für die zukünftige Nutzung des Depots sowie in der Hansastraße aufgedeckt. Auch großräumige Ideen, wie in Speldorf/Nord und Styrum/Süd die Zugänglichkeit zum Ruhrufer zu schaffen, damit dieses als Erholungsraum genutzt werden können, wurden erörtert.
Mobilitätsmuster werden vererbt
Neben den diskutierten räumlichen Bedingungen ist selbstverständlich auch das persönliche Verhalten für einen gesundheitsbewussten Lebensstil entscheidend. Insbesondere Eltern sind hier Vorbilder für ihre Kinder. Die Verkehrssituation vor den Kitas und Schulen soll daher entschärft werden. Mülheim möchte zukünftig Familien dabei unterstützen, öfter auf das Auto zu verzichten.
Die Ergebnisse sollen in den Masterplan Spiel- und Bewegungsräume eingearbeitet werden. Das Fazit der Fachtagung:
Mutig denken und handeln für mehr Lebensqualität aller Generationen!

