Können Richtlinien ein gesünderes Europa schaffen?

Maßnahmen der Politik für gesunde Ernährung müssen systematisch hinsichtlich ihrer Auswirkungen untersucht werden, um festzustellen, was funktioniert und was nicht. Das europäische EATWELL-Projekt (Maßnahmen zur Förderung gesunder Essgewohnheiten: Bewertung und Empfehlungen) zielt darauf ab, die Erfolge, Misserfolge und Unsicherheiten solcher Kampagnen zu erkennen. Die Ergebnisse dieses von der EU finanzierten EuFIC-Projekts des 7. Rahmenprogramms werden verwendet, um politische Entscheidungsträger bezüglich erfolgreicher politischer Maßnahmen für gesunde Ernährung zu beraten.

Das internationale Wissenschaftler-Team von EATWELL zog Websites von Regierungen, Datenbanken, Zeitschriften, Entscheidungsträger und Staatsbeamte zu Rate, und ermittelte so über 100 politische Maßnahmen in Europa. Diese wurden in zwei große Kategorien eingeteilt; solche, die durch Informations- und Bildungsangebote eine besser informierte Auswahl unterstützten, wie Nährwertkennzeichnung und soziales Marketing, und solche, die versuchen, das Marktumfeld zu ändern, indem Preise oder Verfügbarkeit von Lebensmitteln geändert wurden, wie Besteuerung von Lebensmitteln oder Ausgabe von Gutscheinen an benachteiligte Verbraucher.

EATWELL sichtete zudem bereits verfügbare Informationen und sekundäre Daten, um neue Analysen von Politikfolgen durchzuführen und besser zu verstehen, was funktioniert.

Die Arbeit zeigte, dass politische Massnahmen nur wenig durch Entscheidungsträger ausgewertet werden und die Bewertungsansätze einen Mangel an Differenziertheit aufweisen. Außerdem stellte sich heraus, dass Informationsmaßnahmen zwar notwendig sind für fundierte Entscheidungen, jedoch nur geringe Auswirkungen auf die Ernährungsweise haben. Innere Haltung und Wissen werden verbessert, das Verhalten folgt jedoch nur langsam nach. Andererseits sind Maßnahmen, welche das Marktumfeld ändern, zwar wirksamer, werden jedoch womöglich als „interventionistisch“ betrachtet.

Es gibt eine allgemeine Tendenz in Richtung weniger kontroverser Aktionen der Information und Bildung. Bis vor kurzem waren politische Maßnahmen, im Gegensatz zu Informationskampagnen, auf einige Fälle in skandinavischen Ländern und Großbritannien beschränkt, mit Frankreich als Neueinsteiger. Die Geschichte entsprechender politischer Aktionen ist in Mittelmeer- und Schwellenländern erst jung und zumeist auf Informations- und Bildungsmaßnahmen beschränkt.

Einige politische Maßnahmen stellten sich als in Europa fast nicht vorhanden heraus, zum Beispiel Nährwertinformationen auf Speisekarten, steuerliche Maßnahmen und nährwertbezogene Ernährungsstandards. Die Umsetzung steuerlicher Maßnahmen, z. B. eine Fettsteuer, hat in Europa gerade erst begonnen; außerhalb Europas gesammelte Belege suggerieren allerdings, dass diese nur kleine Verhaltensänderungen, jedoch große Steuereinnahmen bewirken. Die Umformulierung von Nahrungsmitteln, hauptsächlich durch freiwillige, öffentlich-private Zusammenarbeit, hat die Aufnahme von Trans-Fetten und Salz verringert.4

EATWELL empfiehlt geeignete Maßnahmen für Mitgliedstaaten und die EU aufgrund von Bewertungen politischer Maßnahmen und deren Akzeptanz für die Interessenvertreter sowie aufgrund von Erfahrungen aus dem privaten Sektor. Die Studie legt nahe, dass öffentliche Programme für gesündere Ernährung profitieren könnten durch:

  • Intensivere Erforschung des Umfelds der Bürger sowie aktueller Trends, und stärkere Beteiligung der Bürger;
  • Abbau der Hürden zu und Ausweitung von Public Private Partnerships;
  • Betonung kurzfristiger, nicht-gesundheitlicher Vorzüge gesunder Verhaltensweisen;
  • Stärkung staatlicher Kampagnen durch mehr emotionale Anreize und Verknüpfung mit gemeinschaftlichen Werten.

Weitere Informationen, Podcasts und alle wissenschaftlichen Publikationen von EATWELL sind verfügbar unter www.eatwellproject.eu 

Zum EUFIC-Originaltext: www.eufic.org/article/de/artid/Koennen-Richtlinien-gesuenderes-Europa-schaffen

EUFIC bedeutet "EUropean Food Information Council" und ist das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel. EUFIC ist eine gemeinnützige Organisation, die Medien, Gesundheits- und Ernährungsfachleuten, Erziehern und meinungsbildenden Einrichtungen wissenschaftlich fundierte Informationen über Nahrungsmittelsicherheit und -qualität sowie Gesundheit und Ernährung auf eine für Konsumenten verständliche Weise liefert. Das EUFIC wird durch Unternehmen der europäischen Lebensmittel- und Getränkeindustrie unterstützt und erhält Projektfinanzierung durch die Europäische Kommission.

Weiterbildung Kommunale Gesundheitsmoderation

Die Weiterbildung Kommunale Gesundheitsmoderation wurde 2013/14 im Rahmen von IN FORM entwickelt und erprobt. Sie richtet sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus kommunalen Verwaltungen, die für die Gesundheitsförderung in ihrer Kommune zuständig sind und eine ressortübergreifende Strategie entwickeln möchten.

 

© Andreas Gärtner

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