Kommunikation in Netzwerken

Kaum ein Aufgabengebiet lebt mehr von der Kommunikation als das der Netzwerksteuerung. Dies ist schon allein dadurch bedingt, dass Netzwerke einen Geist der Gemeinschaft benötigen, um überhaupt arbeiten zu können. Denn nur der gemeinsame Wille der Netzwerkakteure schafft die Handlungsfähigkeit eines Netzwerks.

Wichtige Grundsätze für die Kommunikation in Netzwerken sind daher:

  • Alle Netzwerkakteure sind gleichberechtigt
  • Transparente Informationspolitik pflegen
  • Keine "In-Group" - die sich absondert - bilden lassen
  • Konflikte vorrausschauend behandeln
  • Destruktivität in konstruktive Kritik umwandeln
  • Die Netzwerkakteure besitzen Handlungs- und Weisungsvollmacht für ihre entsendenden Organisationen (ggf. muss die Netzwerksteuerung Akteure dabei unterstützen, dass sie diese Vollmachten erhalten)

Damit die Kommunikation gelingen kann, sollte immer wieder Raum zum gegenseitigen Kennenlernen und für gemeinsame Aktivitäten geboten werden. Die Beziehungsebene spielt in Netzwerken eine zentrale Rolle.

  • Raum für persönliche Kontakte schaffen, informelle Begegnungen ermöglichen:

    • Etwas mehr Zeit für Pausen einplanen,
    • Abendveranstaltungen anbieten,
    • gemeinsame Ausflüge.

  • Gegenseitiges Vertrauen fördern, Bewusstsein für die gemeinsame Handlungsverantwortung im Netzwerk schaffen:

    • Rasche und unverzerrte Weiterleitung von Informationen,
    • gleichberechtigten Zugang zu Netzwerkmöglichkeiten wahren,
    • gemeinsamen Erfahrungsschatz schaffen durch Möglichkeiten des Lernens,
    • Wissensbeiträge und Evaluationen der Netzwerkarbeit,
    • klare Regeln und Verabredungen,
    • Entscheidungen transparent machen.

Wenn diese Grundsätze beachtet bzw. immer wieder überprüft werden, kann das Netzwerk seine volle Innovationskraft entfalten und zu großer Leistungsfähigkeit gelangen.

Gegenseitigkeit und Mehrwert

Über Netzwerke heißt es: ein Netzwerk ist mehr als die Summe seiner Teile. Und genau dies sollte auch der Ansporn der Netzwerkakteure für ihre gemeinsame Arbeit sein. Doch um diesen Zustand der Netzwerkarbeit zu erreichen, muss eine gute Balance von Engagement und Nutzen sowie Gegenseitigkeit und Mehrwert bestehen. Akteure, die den schnellen Erfolg suchen und nicht bereit sind, sich dauerhaft zu engagieren, sind in Netzwerken falsch. Um in einem Netzwerk erfolgreich mitarbeiten zu können, muss das Streben nach der gemeinsamen Sache im Vordergrund stehen. Die Akteure müssen zu Gemeinschaftlichkeit, Offenheit, Konstruktivität, Authentizität, Lernbereitschaft bereit sein und Verantwortung übernehmen wollen. Geduld und ein gewisser Grad an Diplomatie sind ebenso Eigenschaften, die Netzwerkakteure aufweisen sollten.

Ein zentraler Erfolgsfaktor von Netzwerken ist es, durch den Austausch von Leistungen und das Zusammenführen von Kompetenzen gemeinsame Leistungen entstehen zu lassen, die es ohne die Zusammenarbeit nicht geben würde. Dies nennt man Emergenz. Emergenz bedeutet, dass den Akteuren ein Nutzen entsteht, der ohne das Netzwerk nicht bestehen würde. Emergenz kann aber nur entstehen, wenn die Akteure bereit sind, Leistungen einzubringen, ohne einen kurzfristigen oder direkten Ausgleich dafür zu erwarten. Jeder muss darauf vertrauen, dass es sich lohnen wird.

Nicht alles lässt sich allein durch eine gute Steuerung bewirken. Bestimmte Eigenschaften hängen auch mit den handelnden Personen zusammen. Personen, die kein Vertrauen entwickeln können, werden auch keinen wahren Nutzen aus dem Netzwerk ziehen können und sich über kurz oder lang zurückziehen. Bei massiven Störungen der Netzwerkarbeit, muss die Netzwerksteuerung die entsprechende Person diesbezüglich aufklären und eine Entscheidung herbeiführen.

Dennoch gibt es einige Handlungsempfehlungen, durch die sich die Gegenseitigkeit und der gemeinsame Mehrwert positiv gestalten lassen:

  • Erwartungen der Netzwerkakteure und deren Erfüllung regelmäßig abfragen
  • Persönlichen Kontakt zu den Netzwerkakteuren (gleichermaßen!) pflegen
  • Thematisieren, wenn Akteure am Netzwerk vorbei arbeiten
  • Sprachrohr für Akteure, die in Not sind (mit deren Einverständnis)
  • Initiierung von vielfältigen Gelegenheiten für den Wissensaustausch

(vgl. hierzu Teller, Longmuß (2007): Netzwerkmoderation - Netzwerke erfolgreich leiten, S. 114-115.)

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Weiterbildung Kommunale Gesundheitsmoderation

Die Weiterbildung Kommunale Gesundheitsmoderation wurde 2013/14 im Rahmen von IN FORM entwickelt und erprobt. Sie richtet sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus kommunalen Verwaltungen, die für die Gesundheitsförderung in ihrer Kommune zuständig sind und eine ressortübergreifende Strategie entwickeln möchten.

 

© Andreas Gärtner

Literatur

Netzwerkmoderation: Netzwerke zum Erfolg führen
Leitfaden für den systematischen Netzwerkaufbau von Matthias Teller und Jörg Longmuß